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Author: sas@ebp.ch

Schritt 2: Minimaler Gewässerraum РGewässertyp

FRAGESTELLUNGHILFSMITTEL

Um welchen Gewässertyp handelt es sich?

Je nach Gew√§ssertyp gelten unterschiedliche Vorgaben f√ľr den minimalen Gew√§sserraum. Folgende Kategorien werden unterschieden:

  • Offene Fliessgew√§sser
    Neben offenen B√§chen und Fl√ľssen z√§hlen auch von WR-Anlagen im Hauptschluss beeinflusste Abschnitte zu dieser Kategorie. Bei Gew√§ssern mit einer Wasserrechtsanlage im Hauptschluss ist von einem Interesse des Gew√§sserschutzes auszugehen und daher grunds√§tzlich ein Gew√§sserraum auszuscheiden. Ebenso geh√∂ren offene HW-Entlastungskan√§le und Parallelgew√§sser (Gew√§sserverzweigungen) zu dieser Kategorie.
  • Gr√∂ssere stehende Gew√§sser ‚Č• 0,5 ha
    F√ľr stehende nat√ľrliche Gew√§sser, die mindestens 0,5 ha gross sind, wird der minimale Gew√§sserraum nach Art. 41b Abs. 1 GSchV ausgeschieden.
  • Kleinere stehende Gew√§sser < 0,5 ha und k√ľnstlich angelegte stehende Gew√§sser (WR-Weiher)
    Es ist fallweise zu kl√§ren, ob Interessen des Gew√§sserschutzes gem√§ss GSchG (Hochwasserschutz, Revitalisierung, Gew√§ssernutzung, Natur- und Landschaftsschutz) tangiert werden. Bei WR-Weihern (k√ľnstlich angelegte Gew√§sser gem√§ss GSchG / GSchV) kann die Breite des Gew√§sserraums den baulichen Gegebenheiten gem√§ss Schritt 4 angepasst werden.
  • WR-Kan√§le im Nebenschluss
    Dazu z√§hlen sowohl offene als auch eingedolte WR-Kan√§le im Nebenschluss (k√ľnstlich angelegte Gew√§sserverzweigungen). WR-Kan√§le im Nebenschluss sind als k√ľnstlich angelegte Gew√§sser im Sinne des GSchG / GSchV zu behandeln. Ob f√ľr einen WR-Kanal im Nebenschluss ein Gew√§sserraum ausgeschieden werden muss, ist in Schritt 2 zu kl√§ren. Sollte eine Gew√§sserraumausscheidung erforderlich werden, kann die Breite des Gew√§sserraums den baulichen Gegebenheiten gem√§ss Schritt 4 angepasst werden.
  • Eingedolte Fliessgew√§sser
    Neben eingedolten B√§chen und Fl√ľssen z√§hlen auch √ľberdeckte HW-Entlastungskan√§le zu dieser Kategorie.

Schritt 2: Minimaler Gewässerraum РSiedlungsgebiet

FRAGESTELLUNGHILFSMITTEL

Handelt es sich um Siedlungsgebiet?

In Schritt 2 bestimmen Sie den minimalen Gew√§sserraum nach GSchV f√ľr Gew√§sser im Siedlungsgebiet.

F√ľr Gew√§sser, die sich ausserhalb des Siedlungsgebiets befinden, wird zurzeit kein Gew√§sserraum festgelegt.

Als Siedlungsgebiet im Sinne der HWSchV bzw. des PBG gelten Bauzonen, kommunale Freihaltezonen, Erholungszonen und Reservezonen.

F√ľr die genaue Definition des Projektperimeters bei der fl√§chendeckenden Festlegung des Gew√§sserraums im Siedlungsgebiet im vereinfachten Verfahren sind die Vorgaben gem√§ss Schritt 1 Abschnittsbildung und aus den √ľbergeordneten Prinzipien zu beachten.

Entscheidungsgrundlagen

  • Zonenplan (Bezug bei der Gemeinde oder hier)

Schritt 3: Hochwasserschutz – Querprofil-Betrachtung

FRAGESTELLUNGHILFSMITTEL

Ist der minimale Gewässerraum ausreichend?

Bei Fliessgew√§ssern sowie bei offenen Hochwasserentlastungskan√§len kl√§ren Sie anhand einer Querprofil-Betrachtung, ob der Hochwasserschutz im gesetzlich vorgesehenen minimalen Gew√§sserraum erf√ľllt ist oder ob daf√ľr ein erh√∂hter Gew√§sserraum ausgeschieden werden muss.
Eine allf√§llige Reduktion kann in Schritt 4 gepr√ľft werden.

Nachweis

Der Nachweis muss folgende Kriterien ber√ľcksichtigen:

Festlegung des Bemessungsabflusses

F√ľr das Siedlungsgebiet gilt in der Regel HQ100 als Schutzziel. Ist gem√§ss kantonaler Risikokarte das Hochwasserrisiko im betrachteten Gebiet mittel bis hoch, so ist HQ300 als massgebender Abfluss f√ľr die Querprofil-Betrachtung anzuwenden.
Liegen Sonderrisiko-Objekte in der Gef√§hrdungszone ist ebenfalls HQ300 als massgebender Abfluss f√ľr die Querprofilbetrachtung zu verwenden.

Querprofilbetrachtung

Die Durchleitung eines HQ100 / HQ300 mit Freibord (gem√§ss Freibordpapier des Kantons Z√ľrich) in einem Regelprofil (B√∂schungen 1:2) und fixer Sohlenlage (nicht ver√§nderbar) muss mit dem minimalen Gew√§sserraum gem√§ss GSchV sichergestellt sein (inkl. 3 Meter-Streifen beidseitig f√ľr den Gew√§sserunterhalt bzw. vergr√∂ssertem Unterhaltsstreifen im Bereich von Entnahmestellen f√ľr z. B. Holz oder Kies).

Eine fallweise Beurteilung zeigt auf, ob ein einseitiger Unterhaltsstreifen ausreichend ist. In dieser Beurteilung sind konkrete √úberlegungen zum erforderlichen Raumbedarf f√ľr den Unterhalt, die Pflege und die Instandstellung des Gew√§ssers (bspw. abgeleitet aus den bisherigen Erfahrungen beim Unterhalt des betreffenden Abschnitts) aufzuzeigen. Es ist sicherzustellen, dass Unterhalts-, Pflege- und Instandstellungsarbeiten nicht erschwert und verteuert werden, wenn zuk√ľnftig der Zugang allenfalls nicht mehr von beiden Seiten sichergestellt ist.
Bei grossen Gew√§ssern ist zudem ab dem landseitigen Dammfuss ein 5 m breiter Streifen f√ľr den Unterhalt und zur Intervention im Hochwasserereignisfall sicherzustellen und von Anlagen freizuhalten.
Bei Gew√§ssern mit einer Gerinnetiefe von weniger als 1 Meter k√∂nnen mit den Vorgaben f√ľr die Querprofilbetrachtung unter Umst√§nden unverh√§ltnism√§ssige Breiten resultieren. Das Freibord sollte in Relation zur Fliesstiefe stehen. Deshalb darf bei geringen Wassertiefen bei der Querprofilbetrachtung von einer fiktiven Gerinnetiefe von 1 Meter ausgegangen werden.

Querprofilbetrachtung f√ľr Fliessgew√§sser ohne Damm

Querprofilbetrachtung f√ľr Fliessgew√§sser ohne Damm

Querprofilbetrachtung f√ľr Fliessgew√§sser mit Damm

Querprofilbetrachtung f√ľr Fliessgew√§sser mit Damm

Berechnungsmethode

Die zur Querprofilbetrachtung angewendete Berechnungsmethode ist anzugeben und zu begr√ľnden. S√§mtliche verwendeten Parameter und Zwischenresultate f√ľr die hydraulischen Berechnungen sind ausf√ľhrlich, inkl. Graphiken, im Anhang des technischen Berichts zu dokumentieren, u.a:

  • Gew√§hltes Schutzziel (HQ100 oder HQ300)
  • Bemessungsabfluss (HQ100 oder HQ300)
  • Freibord gem√§ss Freibordpapier Kanton Z√ľrich inkl. Berechnung*
  • Rauhigkeitsbeiwerte
  • Fliessgef√§lle
  • Eintiefung des Gerinnes (Gesamth√∂he Sohle bis B√∂schungsoberkante)
  • Berechnete / verwendete Sohlenbreite
  • Durchflossene Querschnittsfl√§che
  • Fliessgeschwindigkeit
  • Froude-Zahl

  • Erg√§nzender Hinweis zum Freibordpapier des Kantons Z√ľrich:
    Gem√§ss Freibordpapier des Kantons Z√ľrich wird bei Ausbaugr√∂ssen > HQ100 basierend auf einer integralen Risikobetrachtung fallweise ein Freibord festgelegt. Im Rahmen der Ausscheidung und Festlegung des Gew√§sserraums im vereinfachten Verfahren ist auch bei der Wahl des Schutzziels HQ300 f√ľr den Hochwasserschutznachweis immer das volle Freibord (Bestimmung analog wie bei Schutzziel HQ100) zu verwenden.

    Ergänzender Hinweis zum Nachweis bei steilen Gerinnen
    Bei steilen Gerinnen werden bei der Anwendung von Normalabfluss-berechnungen häufig schiessende Verhältnisse (Froude > 1) mit sehr hohen Fliessgeschwindigkeiten ermittelt. Bei relativ geringer Gerinnebreite ergibt sich somit eine rechnerisch hohe Abflusskapazität.
    Normalabflussberechnungen sind eine Vereinfachung, welche lokale Effekte sowie Stau- und Senkungskurven ausser Acht lassen. Bei schiessenden Verh√§ltnissen ergeben sich bereits an kleinen Gerinnekr√ľmmungen und Unregelm√§ssigkeiten der Uferberandung stehende Wellen, welche die Str√∂mung so weit abbremsen k√∂nnen, dass sich √ľberwiegend kritische resp. gerade noch str√∂mende Verh√§ltnisse einstellen. Solange ein Gew√§sser nicht als Schussrinne ausgestaltet wird, ist die Annahme von durchgehend schiessenden Verh√§ltnissen aus Sicht der Breitenbestimmung auf der unsicheren Seite. Bei steilen Verh√§ltnissen ist deshalb eine maximale Froude-Zahl von 0.9 zu w√§hlen, es werden also gerade noch str√∂mende Verh√§ltnisse angesetzt.
    Die Bestimmung des Sohlengefälles anhand des digitalen Terrainmodells (DTM) ist grundsätzlich ausreichend. In Einzelfällen können aber detailliertere Nachweise (Aufnahmen vor Ort im Gerinne) verlangt werden.

    Kann aktuell nicht beurteilt werden, ob der minimale Gewässerraum ausreichend ist, so wird vorerst noch kein Gewässerraum ausgeschieden und festgelegt. Es gelten weiterhin die Übergangsbestimmungen.

    Schritt 3: Hochwasserschutz РGefährdung

    FRAGESTELLUNGHILFSMITTEL

    Ist eine Gefährdung vorhanden?

    Anhand der Gefahrenkarte pr√ľfen Sie, ob in diesem Abschnitt eine Hochwassergef√§hrdung vorliegt und ein Hochwasserschutznachweis erforderlich ist. Liegt keine Gef√§hrdung vor, ist der gesetzlich vorgesehene minimale Gew√§sserraum ausreichend. Eine allf√§llige Reduktion kann in Schritt 4 gepr√ľft werden.

    Nachweis

    Ein Hochwasserschutznachweis ist f√ľr alle Abschnitte, an denen laut Gefahrenkarte Austritte auftreten k√∂nnen, erforderlich. Dies umfasst sowohl Kapazit√§tsengp√§sse am offenen Gerinne, als auch Austritte an Durchl√§ssen, Br√ľcken und Eindolungen. Dabei ist bei einer identifizierten Punktschwachstelle der Hochwasserschutznachweis in der Regel auch f√ľr die ober- und unterhalb angrenzenden Abschnitte zu erbringen. Dadurch wird sichergestellt, dass auch allf√§llig vorhandene Gerinneschwachstellen ober- und unterhalb von Punktschwachstellen √ľberpr√ľft werden.